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Sichtproben

Pionierblasorchester
Pionierblasorchester

Es muss wohl im Vorschulalter gewesen sein, als ich anfing, auf dem im Elternhaus vorhandenen Klavier bereits Melodien nachzuklimpern oder zu erfinden. "So soll er denn Klavierunterricht nehmen," waren sich Vater und Mutter einig. Genau vier Jahre lang waren sie das. Dass mir Jahr(zehnt)e später genau die Etüden, die zu üben ich damals kaum einsah, zum Virtuosen fehlen würden – wer konnte dies ahnen? Viel interessanter war doch da die Mitgliedschaft in einem Pionierblasorchester, wo ich im Alter von 10 Jahren bereits ins Horn stoßen durfte. Da ging ja richtig was ab! Klavieretüden? Nein danke! Nun waren es Trompete und Akkordeon, auf denen Schlager gequält wurden.

Anfang der 60-er durfte es nicht ausbleiben, von den Beatles, Stones usw. fasziniert zu werden. Eine E-Gitarre musste her. Was habe ich Mutter angefleht, das mühsam angesparte Taschengeld-Konto dafür zu opfern . . . Im 10. Schuljahr endlich wurde meinem Anliegen Rechnung getragen. Es ging los.


Pepitas

Glücklicherweise hatten wir bei unserem Klassenlehrer Mathe und Musik. Als einstiger aktiver Musiker hatte er wohl am ehesten Verständnis dafür, dass ich oft die Lider kaum offenhalten konnte. Immerhin – außer häufigen Proben – wurde auch schon bis in die Nacht hinein getingelt. Damals bei Echo 65 und den Pepitas, Lokalmatadoren der sächsischen Industriestadt Riesa. Vermutlich wird sich keine Sau daran erinnern, dachte ich, wurde aber durch entsprechende Einträge im Gästebuch eines besseren belehrt.

1967 erfolgte ein Wechsel zur Stern-Combo Meißen, wo ich bis 1975 Gitarre spielte. In den letzten Jahren sogar auch wieder (eine grüne!) Trompete bei div. Songs der Temptations.

In der Stern-Combo waren es Ende der 60-er hauptsächlich Songs aus den Hitparaden, die nachgespielt wurden. Ziemlich alles war vertreten, inklusive Drafi Deutscher und Roy Black!! Aber es gab auch Favoriten. Logisch zählten die Stones dazu. Kinks, Hollies, Beach Boys, Manfred Mann, Spencer Davis Group, The Cream, Jimi Hendrix. Songs der Beatles wurden (leider!) kaum gespielt – warum auch immer.


Stern '71

Nach ca 2-jähriger Mitwirkung von Veronika Fischer, die damals einen souligen Touch in der Art Aretha Franklins einbrachte, ging es Anfang der 70-er in Richtung Chicago und Blood, Sweat and Tears. Aber auch weniger populäre Bands wie The Flock oder TNTH wurden der sich mehrenden Zuhörerschaft der Grünkutten präsentiert.

1973 wurde die Besetzung um die Bläserfraktion geschrumpft. Dank Einstieg des Tasten-Virtuosen Thomas Kurzhals (†2014) war es möglich geworden, sich Werken von Emerson, Lake & Palmer oder Ekseption zu widmen. Gleichzeitig wurden Adaptionen leichter Klassik mit ins Repertoire aufgenommen. Dieser Einfluss sollte sich in den Folgejahren erheblich auf das Gesamtkonzept der Stern-Combo auswirken. Ebenso wie Einflüsse der Temptations, von denen auch einige Hits im Programm waren.

Die Tatsache, dass Rockbands zu dieser Zeit staatlicherseits gerade mal so toleriert wurden, brachte es mit sich, dass sich eben diese Bands untereinander solidarisierten. Zog man doch an einem gemeinsamen Strang.


Klosterbrüder

Vor diesem Hintergrund wurde 1975 ein Projekt namens Fusion ins Leben gerufen, das sich aus der Stern-Combo Meißen und den Klosterbrüdern aus Magdeburg zusammensetzte. Zum Teil spielten beide Bands populäre Songs aus ihrem eigenen Repertoire, einige Songs wurden gemeinsam gespielt, aber auch eigens für dieses Projekt geschriebene Stücke (Axel Gothe) gelangten zur Aufführung. Legendär war der erstmalige Einsatz von Vierkanaltechnik, gelegentlich – zu Unrecht – als Quadrophonie bezeichnet. Dieser Technik sollte sich "Stern" dann noch mehrere Jahre erfolgreich bedienen.

Das ein Vierteljahr währende Projekt Fusion brachte zutage, dass man in der Rockmusik Lead-Instrumente durchaus doppelt besetzen kann. Auf den Geschmack gekommen, spielte Stern dann jahrelang mit 2 Keyboardern – ohne Gitarre. Die Klosterbrüder schwenkten wieder auf ihren erfolgreichen Kurs zurück und spielten zunehmend eigene Rock-Songs. Als absolut neues Projekt ging im Sommer 1975 jedoch eine dritte Band mit 2 Lead-Gitarristen hervor: Reform.

Das war wohl die kreativste, auch aufregendste Zeit meiner musikalischen Laufbahn. Ein Großteil der Szene wusste: Da ist etwas im Entstehen – schau‘n wir mal. Nächtelang wurden Arrangements ausgefeilt, wochenlang in einer Garage geprobt – auf Grund sengender Hitze zum Teil barfuß in Wasserschüsseln stehend. Zwei Lead-Gitarren schienen prädestiniert zu sein für etliche Songs von Wishbone Ash. Aber auch Mammutwerke von Genesis, The Flock und vor allem King Crimson standen auf der Liste.

Bereits nach einem halben Jahr des Tourens durch DDR-Lande begannen sich die investierten "Blood, Sweat & Tears" auszuzahlen; Reform hatte einen festen Stellenwert in der Szene erlangt – wenngleich vorrangig in der Szene der "Grünkutten". Man möge sich erinnern, dass dem Staat genau diese Szene ein Dorn im Auge war. Gewisse Auftrittsorte wurden der Gruppe deswegen verwehrt. Es ging an die Existenz. Was war zu tun?


Reform '77

Die Lösung schien in dem neuen Frontmann Stephan Trepte zu liegen, der bereits über eine gewisse Medienpräsenz verfügte. Und tatsächlich funktionierte der Einstieg in die Medien, wenn auch zunächst auf holprigen Wegen. Zum Beispiel waren die Medienvertreter durchaus nicht willens, das musikalische Konzept der Gruppe uneingeschränkt zu übernehmen. Was wurde da noch gefeilt, geglättet, entschärft — — —

Der Einzug in die Medien war also geschafft, brachte aber auch mit sich, dass der ursprüngliche "Geist der Gruppe" mehr und mehr – und nach vielen Turbulenzen Reform selbst im Jahre 1986 – auf der Strecke blieb.

Doch zuvor hatten Drummer Peter Piele und ich das "Reform-Schiff" Ende 1979 verlassen. Zusammen mit Micha Heubach heuerten wir 1980 bei der Gruppe Elefant aus Weimar an. Zwar unterschied sich das musikalische Konzept von dem bisher verfolgten, doch gab es auch Songs, die uns MuGGern Spaß gemacht haben. Ebenfalls Spaß machte es, bei einer Instrumental-Nummer zusammen mit Peter Piele Schlagzeug zu spielen. Und an unseren Satzgesang – so glaube ich – wird man sich möglicherweise heute noch erinnern.

Beim Einspielen der LP "Alles oder nichts" (1982) hatte ich plötzlich eine Bassgitarre in der Hand, die ich zwei Jahre lang nicht mehr hergab. Als Ute Freudenberg im März 1984 von einem Gastspiel in Hamburg nicht mehr mit zurückkehrte, war‘s das für die Band. Und für die Bassgitarre.


Pallas Show-Band

Nachdem ich 3x auf der rockigen Erfolgsleiter ziemlich weit emporgeklettert war, stellte sich nun die Frage, ob ich als Mitt-Dreißiger noch einmal mit Bronzemedaillen auf Rock-Interpreten-Nachwuchs-Wettbewerben (. . .) beginnen sollte. Insofern kam das Angebot der Pallas Show-Band gerade recht. Dort wurde ich – wieder als Gitarrist – eingeführt in die hohe Kunst der Programmbegleitung und lernte es (nie), mich zwischen 2 Show-Blocks in Windeseile umzuziehen.

Mit Stellen unseres Ausreiseantrages war 1986 praktisch jedes Recht, in einer auslandsreise-ambitionierten Liveband zu musizieren, verwirkt. Ich kramte die Trompete wieder hervor und nutzte jede Gelegenheit, in irgendwelchen Blasorchestern zu tingeln. Und sei es auf der Trabrennbahn Berlin-Karlshorst. Oder samstags morgens vor der Kaufhalle (sprich heute: vorm Supermarkt).

Zufällig ergab sich dann doch noch mal die Möglichkeit einer "seriösen" Anstellung. Bis zu unserer Ausreise im April 1989 durfte ich knapp zwei Jahre als Begleitmusiker am Berliner Kabarett Die Distel arbeiten – ein Job, den ich späterhin durchaus zu schätzen gewusst hätte. Dort war es, wo ich meine Liebe zu leiseren Tönen entdeckte und zunehmend auch wieder die Akustikgitarre zur Hand nahm.


Magic Guitar

Im ersten Jahr nach der Übersiedlung in den Güldenen Westen habe ich noch einiges in Sachen Musik versucht. Probte mit süd-niedersächsischen Lokalmatadoren auf Amateurebene. Bestritt mehrere Muggen in einer Top-Galaband, dem Orchester Günther Beer. Rief ein Solo-Projekt namens Magic Guitar ins Leben, bis ich letztendlich im März 1990 in einer Art Künstleragentur angestellt wurde. Dabei handelte es sich um eine Vermittlungsstelle der Bundesagentur für Arbeit, deren Dienstleistungen man aus den unterschiedlichsten Gründen in Anspruch nehmen mag. Ich jedenfalls nutzte 2006 die Gelegenheit, mich nach Altersteilzeit schleunigst in den Vorruhestand zu verabschieden.

Die "Magic Guitar" hingegen – nebst weiteren Schätzen – ruhte lange Jahre abrufbereit im Mini-Homestudio, auch liebevoll Midi-Labor-MH genannt. Zur Jahrtausendwende wurde sie tatsächlich noch einmal abgerufen. Pfiffige Bandleader hatten auf Grund der hohen Nachfrage Aufträge für mehrere Veranstaltungen angenommen, die sie aus ihrem eigenen Musikanten-Pool gar nicht mehr besetzen konnten.


Wolfgang Haase

Auf das Mitwirkungsverbot an öffentlichen Veranstaltungen (eine Beauflagung der Künstleragentur) pfeifend, erlag ich der Versuchung und ging das existenzielle Risiko ein, auch weiterhin die eine oder andere Duo-MugGe mit meinem Freund Wolfgang Haase zu bestreiten, der ansonsten als sog. Alleinunterhalter auftrat. Ca. 2005/06 hat Wolfgang Haase als guter Mittsechziger seinen/unseren Stellenwert im heiß umkämpften ShowBiz realistisch eingeschätzt und das kleine Projekt in allen Ehren ausklingen lassen.

Mit dem Programm "Wat machen Sie denn hier" rief Renate Baum – eine befreundete, ehemalige Kollegin – 2012 eine Comedy-Figur namens Reni Reinlich ins Leben. Nach der Premiere war es mir nicht nur vergönnt, ergänzende Musiken zu schreiben und zu produzieren; ich durfte sie auch vom Mixer aus einspielen und Reni ins rechte Licht setzen.

Jahre zuvor – während unserer gemeinsamen Zeit im o.a. Künstlerdienst – hatten wir es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht, uns die alltäglichsten Infos in gereimter Form zu übermitteln. Ein Teil davon wird sich gewiss auch in den hiesigen Leseproben niedergeschlagen haben   →   Viel Spaß!



Bundesagentur | Altersteilzeit | Vorruhestand | Mitwirkungsverbot | Alleinunterhalter — was sind das alles für grässliche Termini, wenn man noch mal kurz nach oben scrollt und sich die Unbekümmertheit der frühen Musikantenzeiten vor Augen führt. Aber so wird es wohl manchem ergehen. Die einstigen Ideale müssen halt existenziellen Überlegungen weichen. Dabei möchte ich keine der angeführten, künstlerisch kreativen Zeiten missen, denen aber auch nicht nachtrauern. Mein diesbezüglicher Spruch:

Wir hatten unsere Zeit – nun sind andere dran!

Nach wie vor ist es eine Freude zu erleben, welche Entwicklung div. Musikrichtungen genommen haben und mit welcher Brillanz viele, viele „nachgerückte“ Musiker zu Werke gehen. Und so fällt der Blick auf meine verbliebenen Instrumente, seit Ewigkeiten ungenutzt, schon nicht mehr schwer. Auf Nostalgiewellen wollte und werde ich nicht mitschwimmen. Wenn z.B. die Zeit zwischen einem 40. und 50. Jubiläum krampfhaft mit Jahreszahlen wie 40+1, 40+2 etc. aufgefüllt wird, schließe ich mich denjenigen an, die das affig finden.

Oder stelle man sich einmal vor, Ringo Starr scharte 3-4 junge, durchaus Spitzenmusiker um sich und benannte diese Band "The Beatles“ — — — nur hätte das ein wirklicher Manager wie Brian Epstein wohl zu verhindern gewusst.

Oooder?!?



 

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